Neue Mäntel braucht das Land: Veloflex Black

In etwa einmal pro Saison muss ich Reifen wechseln, weil ich die alten eckig gefahren habe. Warum das immer zur Jahresmitte hin geschieht weiss ich nicht genau, ich glaube, das hat was mit einem kleinen Missgeschick am Grossglockner zu tun. Ist jetzt aber nicht wichtig.

Mein erster “echter” Reifen war ein Continental 4000, bei dem ich nach einem kurzen Intermezzo bei Michelin wieder gelandet bin, gefolgt von einem Vredestein Fortezza – ein wirklich ganz ausgezeichneter Reifen. Auf Steinbachs Tip hin dachte ich mir: Von Deutschland nach Frankreich, zurück nach Deutschland, nach Belgien … logisch: Jetzt muss Italien dran! und hab mir zwei Veloflex Black bestellt.

Leider sind die Veloflex nicht ganz so einfach in der Handhabung wie die Vredesteins (die praktisch von selbst auf die Felge springen) und da ich beim Reifenmontieren überhaupt nicht so der Kapitän bin habe ich mit einem ordentlichen Kampf gerechnet – und ihn auch bekommen.

Die erste und wohl wichtigste Lektion: Babypuder. Ja, ich weiss wie sich das anhört. Aber es stimmt.

Wer Babypuder kauft ohne bereits Nachwuchs in die Welt gesetzt zu haben will entweder einem Fetisch nachgehen oder Veloflex aufziehen.

Handelsübliche Faltreifen kommen zwar genauso verpackt wie die Veloflex:

Veloflex in der Schachtel. Flach wie Flundern.

wenn man sie aber aus der Packung gibt und leicht beutelt nehmen sie zumindest eine gewisse reifentypische Grundform an. Nicht so Veloflex. Die bleiben wie sie sind.

Veloflex aus der Schachtel. Immer noch flach wie Flundern.

Darüber hinaus sind sie auch noch sehr klebrig. Das Babypulver vermindert die Reibung zwischen Schlauch und Mantel, was extrem wichtig ist, da man den Reifen wirklich über den Schlauch falten muss. Eben ein Faltreifen.

Vor dem Versuch, Felge, Schlauch und Mantel zu einer befruchtenden Menage et troi zu verbinden soll man also üppig das Babypuder im Mantel verteilen – ich erspare mir und euch den praktisch aufgelegten Austriakismus. Ohne Puder bekommt man die widerspenstigen Biester wohl nie auf die Felge.

Immer feste druff mit dem weissen Zeuchs.

Wenn man die Lappen auf die Felge streift fällt sofort auf: Die Dinger sind kompakt. Sie haben so wenig Abstand zur Felge, dass man sich permanent fragt: Wo soll denn der ganze Schlauch hin? Dieses Gefühl hatte ich bisher nur bei Cross-Reifen.

So in etwa muss es aussehen, wenn Tom Boonen seine Mäntel aufzieht: Alles voll mit weissem Pulver.

Mit diesem Kniff kommt man aber ganz gut über die Runden – ansonsten ist der Veloflex verhältnismässig harmlos. Zumindest für mich, aber ich bin ja auch Vittoria Rubino-geschädigt. Steinbach hatte auf seinen Felgen mehr Probleme, aber das letzte Stück war gerade zu harmlos verglichen mit anderen Mänteln.

Fast geschafft.

Mäntel aufzuziehen ist zwar eine schöne, erfüllende Tätigkeit, aber nur selten ein Selbstzweck. Tatsächlich wollte ich die Dinger auch fahren. Mein objektives, unabhängiges, ausgeklügeltes und differenziertes Testurteil: Sind ok.

Ich würde sie vom Fahrverhalten in die selbe Liga wie die Fortezza geben, was ein recht grosses Lob darstellt, handelt sich dabei doch um die besten Mäntel, die ich bisher gefahren bin. Was allerdings sehr störend ist: Sie laufen extrem leise, was für Menschen mit lautem Antriebsstrang (also so wie mich) sehr unangenehm ist.

Italienisches Rad, italienischer Reifen. Was könnte es schöneres geben?

Die Reifen laufen ruhig und angenehm, es wäre mir auch kein spezieller Rollwiderstand aufgefallen. Vom scheinbar komplizierten Prozedere der Montage sollte man sich nicht abschrecken lassen, kennt man den Trick mit dem Babypuder ist es halb so wild. Mir gefällt die schlichte Markierung an der Seitenwand und die Tatsache, dass es sich nicht um einen Allerweltsreifen handelt. Der Preis ist mit € 25,00 pro Mantel voll in Ordnung, bezogen werden kann er z.B. über Velo-Motion. (Disclaimer: Ich habe keine Geschäftsbeziehung zu Velo-Motion ausser, dass ich dort Kunde bin. Die Verlinkung des Shops bringt mir keinerlei Vorteile, was recht sicher daran liegt, dass ich ein lausiger Geschäftsmann bin)

Gabelflattern bei Cyclocross-Rädern

Der nächste Winter kommt bestimmt – daher sollten gewisse Personen (wir wollen hier keine Namen nennen, wir wissen wer gemeint ist) langsam aber sicher das Gabelflattern ihrer Crosser in den Griff kriegen. Wer das Phänomen nicht kennt: Bei einigen Crossern kommt es zu einem fast unkontrollierbaren, starken Rucken der Gabel wenn man bremst. Interessant ist schon mal, warum es überhaupt dazu kommt. Lennard Zinn liefert hierzu eine einleuchtende Erklärung: Wenn man mit Cantilever-Bremsen bremst, bewegt sich die Gabel nach hinten, woraufhin der Seilzug der Bremse stärker gespannt wird, was zur Folge hat, dass die Bremsen noch stärker angezogen werden, und so weiter. Folgendes Bild macht eigentlich weitere Erklärungen überflüssig:

Alles klar? Ein Rätsel weniger auf der Welt.

Entschärft

Wiens ärgerlichste Errungenschaft für Radfahrer – der Ringradweg – wurde diese Woche ein Stück sicherer: Wo nun zwei Baustellenabsperrungen stehen verdeckte bis vor kurzem noch eine Litfaßsäule die Sicht auf den Gegenverkehr. Schön, dass das Ding nun weg ist. Aber kombinierte Fuss-Radwege sind und bleiben ein Unsinn. Gerade am Ring.

Eurosport

Ein grosses Lob für den Eurosport WATTS Redakteur, der die Bilder von Lance Armstrong mit Beck hinterlegt hat.

Lackierung nach Wunsch

Farbkoordinierte Ausrüstung für Wertungsführende ist ja nichts neues mehr. Hatte man sich früher damit begnügt, ein gelbes Trikot anzuziehen, ist heute die gesamte Ausrüstung gelb: Trikot, Hose, Helm, Handschuhe, Socken, Pedale, Fahrrad …

Sylvain Chavanel war ja kurzfristig in der besonders für ihn ungewohnten Situation, gleich zwei Wertungen anzuführen: Grün (Punkte) und Gelb (Gesamtwertung). Damit hatte nun nicht mal der Radausstatter von QuickStep, Eddy Merckx gerechnet, weshalb kein passender Rahmen vor Ort war. “Macht nichts”, haben sich die Belgier gedacht und eben mal schnell über Nacht einen Rahmen für Chavanel lackiert, aufgebaut und zur Tour gebracht.

Prozess und Ergebnis haben sie in einer interessanten Gallerie zusammengefasst.

Und die “We’re all Cannibals”-Werbung ist und bleibt Kacke. Punkt.