Die erste gemeinsame Ausfahrt des Le Rouleur lent Teams 2013
(Miriam) Angesagt war eigentlich Sonnenschein – wir schieben unsere Rennräder raus in ein graues und wolkenverhangenes Wien mit dem Ziel, eine kurze Wienerwald Runde zu fahren – über den Exelberg und Sauberg. Unsere erste gemeinsame Ausfahrt diesen Jahres. Zur Stimmung würde jetzt hervorragend die pathetische Dramamusik passen, mit der die Profiteams gerne ihre heroisch-wirken-sollende Teamvideos unterlegen. Ich frag mich, wie mein Körper wohl auf diese Ausfahrt reagieren wird (eines der Lieblingszitate Peters), nach einem langen rennrad-losen Winter, ein paar Tagen Skifahren und Schwimmtraining seit Oktober.
Gleich zu Beginn durch den 17. Bezirk, wo es leicht aufwärts geht, versuche ich gut auszusehen und mit Peter und Philipp (in der Funktion des Fotografs mit dabei) locker mitzufahren. Beim ersten leichten Anstieg denke ich mir, wie jedes Jahr, „Verdammt, warum mache ich das bloss?“, trete tapfer in die Pedale und zieh sogar ein bisschen mit dem Tempo an – für meine Verhältnisse natürlich. Das Faux Plat unten am Exelberg macht mir noch zu schaffen, dann gehts aber in die Steigung und erstaunlicherweise komme ich ganz gut rauf. Und dann ist nur noch ein Gedanke ist in meinem Kopf: I LOVE IT! (wie meine liebe Freundin Barbara K. immer zu sagen pflegt) I love it also, das Rennradfahren, immer im Fluss sein, ganz schnell draussen aus der Stadt und das Grün saust an einem vorbei. Hervorragend um davon zu fahren, sich den Ärger abzustrampeln und mal richtig aus der Puste zu kommen. Oder einfach die Ruhe geniessen, das Surren über den Asphalt, die kontrollierte Atmung. Und zur Belohnung die wunderschöne Aussicht auf Wien, gerade im Anstieg des Exelbergs.
(Peter) Im Winter verbannt mich die Kälteempfindlichkeit meiner Hände nach drinnen – wenn die Lufttemperatur unter 5° sinkt können sie auch von Hochgebirgstourenhandschuhen nicht mehr warm gehalten werden. Nach Monaten auf der Rolle sind die ersten Frühjahrsausfahrten wohltuende Erinnerungen daran, was Radfahren eigentlich sein soll – auch wenn das Wetter in Wien gerade im Frühling nur selten wirklich mitspielt. Am Nachmittag nach der Arbeit noch eine kleine Runde in den Wienerwald über den Exelberg, den Hausberg von Ottakring und Hernals, das ist ein Instant-Katapult raus aus der Stadt: Nach 10 Minuten Fahrt ist man im Grünen, sieht die Häuser nur mehr von Weitem.
Der Exelberg ist eine seltsame Erhebung, an der sich die Geister scheiden. Offensichtlich liebt man ihn oder man hasst ihn. Ich gehöre eindeutig zu zweiterer Kategorie, wobei dieser unerwartete Punch, diese fiese Steigung im ansonsten gemütlichen Wienerwald, die einen immer wieder überrascht und kalt erwischt, schon wieder etwas erfrischend Sympatisches hat. It’s complicated. Über den ersten Berg drüber, an der Sofienalpe vorbei, ein paar Schupfer, und schon fährt man runter durch das Weidlingbachtal, biegt unten rechts ab und trifft auf den Sauberg. Der seinen Namen nicht verdient.
(Miriam) Am Sauberg aufwärts – endlich die Sonne, ein paar Strahlen, die durch die Bäume auf den Asphalt fallen. Ich spüre meine Finger auch bald wieder, in meinem Enthusiasmus für die erste Ausfahrt habe ich doch tatsächlich die kurzen Handschuhe angezogen und bei der Abfahrt nicht daran gedacht die langen drüber zu ziehen. Peter zieht mit dem Tempo an, damit wir die Sonnenstrahlen erwischen, die Sonne könnte jeden Augenblick wieder von der Wolkendecke eingeholt werden. Der Sauberg ist wirklich saunett zu fahren. Ich glaub daher kommt der Name. Und das Gute, es sind wenige Autos unterwegs auf dieser Strecke. Im Wienerwald gibts Stellen, wo es oft zu brenzligen Situationen kommt. Leider. Aber wir Winken immer ganz freundlich diesen Autos nach. IMMER. Das gehört zur guten Rennrad-Etiquette. Wir fahren also in einem guten Tempo hinauf, nebeneinander wenn es die Strassensituation zulässt. Das letzte Stückchen fahr ich alleine, die Jungs geben sich gerade ein Rennen auf den letzten 200 m. Und bleiben prompt bei Griass di a Gott-Wirt stehen. Räder werden draussen abgestellt, immer mit einem komischen Gefühl, dass die hoffentlich nicht wegkommen. Wer trägt schon ein Schloss mit sich herum, wenn die Trikottaschen zum Bersten gefüllt sind mit Windjacken, Handschuhen, Werkzeugtaschen, Schlüssel und Mobiltelefon. Das ist eigentlich auch ganz nett beim Rennradfahren rund um Wien: wir kommen immer wieder in neue Lokale, in die wir wahrscheinlich sonst nicht einkehren würden. Und jedes mal eine kulinarische Überraschung, immer positiv. Denn das Essen ist für die/den Rennradfahrer_in, wie ich schnell gelernt habe, etwa so essentiell wie der richtige Sattel. Wir steuern direkt auf den Platz neben dem Kamin zu. Nur so viel – der Kaiserschmarrn, die Marmeladepalatschinken und der Apfelstrudel mit Schlag – unglaublich gut!
(Peter) Eigentlich macht ja erst die Einkehr die Ausfahrt zur Ausfahrt. So wie sich Pfadfinder um das Lagerfeuer versammeln um sich ihre Geschichten zu erzählen, so sitzen wir beim Kaffee und Plaudern. Die Bandbreite der meandernden Gespräche ist erstaunlich – im fliessenden Wechsel redet man über das Wetter, Peter Sagan, Musik, neue Radhosen, die Strassenverkehrsordnung und die ästhetischen Vorteile integrierter Sattelstützen (Ergebnis: es gibt sie, aber sie überwiegen die Impraktibilitäten nicht). Der Kaffee wärmt, die Nahrung stärkt, und so geht es wieder raus, in die Kälte, die uns nach dem völlig überheizten Gastraum recht willkommen ist. Nur bei der darauffolgenden Abfahrt nach Sievering, da will sich der Körper nicht so richtig entspannen. Der Fahrtwind fährt uns in die Knochen, aber ein Sprint die Agnesgasse hinauf bringt den Kreislauf wieder auf Trab und die Körpertemperatur nach oben. Die letzten Kilometer durch die Stadt sind Cooldown und Akklimatisierung in einem – nach einer Stunde im Freien muss man sich wieder auf die Stadt einstellen. Ein bisschen hat man da das Stadtbewohner-sein schon verlernt.


























































Schöne Fotos. Interessante Wohnung mit den ganzen Bikes an der Wand.

Habt euch Team-mäßig ja richtig in fesche Schale geschmissen (Ritte, Liquigas…)
Aufpassen, dass die Kaffeepause nicht länger als der eigentliche Ride wird…