Lucien schaut ganz erwartungsvoll. Ich frage mich, ob ich in vier Wochen in Mondrovi einen ähnlichen Gesichtsausdruck haben werde. 302 Kilometer auf den Spuren des Giro d’Italia 1911 – was für eine Idee!
Die längste Distanz, die ich bis jetzt zurückgelegt habe waren 160 Kilometer, einmal allein, einmal mit zwei Begleitern. Das ist immerhin mehr als die Hälfte, und sollte Menschen mit weniger Hang zur Sorgenfalte eigentlich genügen, sich entspannt zurückzulehnen. Mir hingegen wird ob der Aufgabe ganz schwummrig, denn es stellt sich nicht nur ein physisches, sondern auch ein jeweils handfestes psychisches wie logistisches Problem. Logistik bedeutet: Will man die Strecke in 14 Stunden bewältigen (was ratsam wäre), so muss man einen Schnitt von 21,6 km/h zustandebringen – das inkludiert aber Pausen. Rechnet man zwei Pausen zu á 1h raus, so hat man eine Reisegeschwindigkeit von 25 km/h. Machbar, aber nicht gerade unanspruchsvoll.
Um die psychische Komponente mache ich mir weniger Sorgen: La calma è la virtù dei forti. (thank you, Gazetta della Bici)
