The long, long road


Wahnsinn. Der Ötztaler. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Vielleicht habe ich auch deshalb etwas Zeit gebraucht, um mich diesem Thema schriftlich zu nähern … womit ich im Vergleich zu meinem Körper ganz gut im Timing liege – meine Knie sind immer noch sauer auf mich.

Einen “Rennbericht” erspare ich dem werten Publikum – das interessiert eigentlich eh nie jemanden, und wenn dann nur, wenn es sich wenigstens um ein Rennen im engeren Wortsinn handelt. In meinem Fall war’s ein Kampf gegen das Material, mich, die Natur, und nicht zuletzt auch den inneren Schweinehund.

Für alle, die nicht so genau wissen, was der Ötztaler Radmarathon ist, hier eine kurze Beschreibung:

Man fährt los von Sölden Richtung Ötz, da geht’s erstmal zeitig in der Früh bei Eiseskälte sehr lang bei sehr hohem Tempo bergab – ca. 50 Minuten lang. Dann kommt man zu einem Kreisverkehr, bei dem man rechts abbiegt und sieht sich mit einer Rampe konfrontiert – dem Kühtai, dem ersten von insgesamt vier Anstiegen.

Das Kühtai ist glaube ich zwar sehr steil, aber nicht besonders schlimm. Zumindest habe ich keine detailiertere Erinnerung mehr daran, es war aber auch wirklich sehr früh.

Nach dem Kühtai geht es rein nach Innsbruck, und dann den Brenner rauf. Der ist in typisch autobahnkompatibler Manie eigentlich gar kein richtiger Berg, sondern so ein 20 km langer Schmierer, den man in hohem Tempo fahren kann. Aber danach wird’s richtig übel, denn dann kommt der Jaufenpass, ein eklig unrythmischer Berg, die Strasse führt ständig durch den Wald und durchbricht nur kurz unter dem Gipfel die dichte Vegetation, woraufhin man mit extremem (meist: Gegen)Wind konfrontiert wird. Ganz was widerliches.

Hat man den Jaufen geschafft kommt – wie könnte es anders sein – das Beste zum Schluss: Das Timmelsjoch. Ein sagenhafter Anstieg, sehr schön zu fahren, aber doch recht lang.

Schon vor unserer Abfahrt in’s Tirol war klar, dass meine Hoffnungen, das Ziel zu erreichen nicht auf meine Fähigkeiten als Bergziege stützen werde können.

Aber grundsätzlich würde das ja nichts machen. Ich wusste ja nicht, dass es so dicke kommen wird. Nach einem anfänglich wirklich guten Start und 400 gutgemachten Plätzen am Kühtai sowie einer gut gehaltenen Position am Brenner war der Ofen aus. Und zwar komplett. Die Engländer würden sagen “I bonked”.

Von da an war nur mehr Leiden.

Bereits am Jaufenpass machten sich massive Probleme in der Rückenmuskulatur bemerkbar, der Puls war nur mehr mit grosser Mühe über 145 zu bringen, und alles in allem hatte ich Gelegenheit, die umständebedingte Trainingspause von zwei Monaten umfassend und ausgiebig über mehrere Stunden hinweg zu bereuen und mich ganz generell und umfangreich in Selbstmitleid zu suhlen.

Hat man den Jaufenpass mal hinter sich kommt noch der eigentliche Brocken, der an die Substanz geht und einem wirklich nochmal die letzte Willenskraft abverlangt: Das Timmelsjoch. Sogar in meiner eher optimistischen Zeitplanung habe ich für diesen Anstieg 02:50 h eingerechnet. 03:30 sind es geworden. Über drei Stunden in einem einzigen Anstieg zu hängen ist wirklich etwas, das nicht spurlos an Körper und Geist vorüber geht.

Und so konnte ich das, was Sean Kelly als “the man with the hammer” bezeichnet (wieder einmal) hautnah erleben: Ein Körper, der in den Standby-Modus geht wenn seine Kohlehydratspeicher zu Ende sind, und dann zu allem Überdruss auch die Kohlehydrataufnahme deutlich reduziert. Rund 100 km musste ich in diesem Zustand zurücklegen, ein echter Hungerast, aus dem ich auch nicht mehr herausgekommen bin.

Unglaublich, wie lang die Strasse werden kann. Und schade eigentlich, bis zum Brenner war ich gute 30 Minuten unter meiner angepeilten Schlusszeit, Am Timmelsjoch dann mehr oder minder en par, aber am Timmelsjoch habe ich dann 40 Minuten weggeschmissen und bin mit 18 Minuten “Verspätung” ins Ziel gesprintet – immerhin!

Schade übrigens auch dass mahatma, dessen minutiöse Planung und Vorbereitung eine wichtige gedankliche Absicherung für meine eigene Roadmap dargestellt hat (nicht, dass ich geplant oder mich vorbereitet hätte …), sein Ziel verfehlt hat – noch dazu aus ganz blöden Gründen. Materialdefekte sind immer fies, da kann auch Kollege Steinbach mit seinem Platten im Veloflex Extreme ein Lied davon singen.

Mein Material hingegen hat tip-top gehalten, was auch sehr erfreulich ist.

Nächstes Jahr wieder, dann mit besserer Zeit!

Hadersfeld, again. But this time right.

Über das Hadersfeld hab ich ja schon ein bisschen was geschrieben. Auch, dass das Bergfahren nun wahrlich nicht meine grosse Stärke ist. Umso mehr ist das Einzelbergzeitfahren hinauf auf diesen wirklich völlig deplatzierten und wirklich unangenehmen Hügel eine besondere Herausforderung für mich.

“Von der Garage bis zur Feuerwehr” – Eingeweihte wissen, was gemeint ist, und auch, wo man den Start/Stop-Knopf auf dem Radcomputer drücken muss um die ehrliche und unbarmherzige Einschätzung der eigenen Form auf digitalem Display ausgehändigt zu bekommen.

Das Feuerwehrhaus am Ende des Leidens. Von rechts unten kommen sie, manche schneller, manche langsamer.

Meine Freundin hat mir letztes Jahr einen Schlüsselanhänger geschenkt. Auf dem steht “Rakete”. Den wollte ich erst verwenden wenn ich ein bisschen weniger luschig bin, und auf’s Hadersfeld ein bisschen schneller komme. Unter 11 Minuten wollte ich schaffen.

10:58 sind es geworden.

Another job well done.

No news is good news?

Wie man bereits lesen konnte spitzt sich die Saison 2011 dramatisch zu, doch es dauert noch ein wenig bis ich mich vom cerebralen schock erholt habe und ausführlich darüber berichten kann.

zur überbrückung der wartezeit daher mal wieder was englisches.

TRACK WORLD CUP | MANCHESTER | A SHORT FILM from British Cycling on Vimeo.

ich geh jetzt Rad fahren.

Über Radstädter Tauern und Turrach

Das also versteckte sich hinter der geheimnisvollen Anküdigung: Eine kleine Radtour von Salzburg in’s Kärnterische Ebene Reichenau. Über 160 km und 2.602 Höhenmeter ging’s bei ordentlichem Fön (das wäre dann starker Gegenwind für alle, die geographisch nicht so top auf der Höhe sind) über Radstätter Tauern und Turracher Höhe. Zwei wirklich hundsgemeine Berge, die durch Gegenwind und Baustellen am Radstätter Tauern noch viel hundsgemeiner wurden.

Die Fahrt war spannende Erfahrung für mich; Mein Vater ist in seiner aktiven Radfahrerzeit die Strecke zweimal gefahren, und ich habe ihn beide Male sehr dafür bewundert. Für einen kleinen Jungen war die Bewältigung dieser Strecke eine schier unmögliche, übermenschliche Aufgabe. Jetzt, ein paar Jahre später, nachdem ich dieselbe Strecke gefahren bin, ist mein Respekt vor der sportlichen Leistung meines Vaters unverändert hoch. Der einzige Unterschied zu früher ist, dass ich jetzt weiss, wie schwer es war und ist.

Damit ist meine Strassensaison effektiv beendet. Alles, was jetzt kommt, ist nur mehr reinste Freude an der Bewegung.

Und dann ist ja eh wieder Crossen angesagt.


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Ausweitung der Kampfzone

live von der Siegerehrung des Leithaberg-Radmarathon. 160 km überstanden. aber es gibt viel zu analysieren. übermorgen. für heute brauch ich nur mehr ein Sauerstoffzelt.